What is Ethnopoly?

Was ist Ethnopoly?

Kann Integration Spass machen? Ja, Ethnopoly ist der beste Beweis dafür. Das Monopolybrett wird getauscht mit einem Spielfeld in der Grösse der ganzen Gemeinde und an Stelle von „Zürich Paradeplatz“ tritt die Wohnung von Frau Di Pietro. Jugendliche und Kinder reisen einen Tag lang durch ihre Gemeinde und besuchen Leute mit Wurzeln in den verschiedensten Ländern der Welt. So lernen sie ihre „Nachbarn“ kennen, nicht nur deren Geschichte und Herkunft, sondern auch ihre Sicht auf ihre neue Heimat, die Schweiz. Wie bei jedem Spiel kann man Punkte gewinnen und verlieren, muss sich auf dem Spielfeld geschickt bewegen und verschiedene Aufgaben lösen. Am Ende des Tages kommt die Stunde der Wahrheit: Wer hat die meisten Punkte gesammelt? Viel wichtiger als ein Sieg ist jedoch: Es bleiben postive Erinnerungen bei allen Beteiligten. Diese Emotionen sind die beste Grundlage für einen konstruktiven, zukunftsgerichteten Dialog.

 

Das pädagogische Konzept von Ethnopoly

Ethnopoly basiert auf dem pädagogischen Konzept von nicht-formaler und informeller Bildung. In einem ausser-gewöhnlichen Rahmen wird Raum geschaffen für selbstgesteuertes, erlebnisorientiertes Lernen. Migration und kulturelle Verschiedenheit sind oft negativ besetzte Konzepte. Wir hören und lesen von Gewalt, Rassismus und Kriminalität. Ethnopoly distanziert sich bewusst von der weit verbreiteten „Zeigfingerpädagogik“. Das Spiel setzt auf Emotionen, auf positive Bilder und Erlebnisse. Dadurch können Erfahrungen nachhaltig verankert werden. Toleranz, Respekt, Offenheit und Selbstbewusstsein im Umgang mit der eigenen und fremden Kulturen bleiben dadurch nicht bloss leere Begriffe, sie werden mit konkreten Inhalten gefüllt.
Dabei soll es nicht darum gehen, real existierende Herausforderungen und Probleme des Zusammenlebens zu verleugnen. Das friedliche Miteinander verschiedener Kulturen ist eine grosse Herausforderung und es braucht Anstrengungen und Zugeständnisse von allen Beteiligten. Integration ist ein Dialog, in dem Regeln und Werte ausgehandelt werden. Dies ist aber nur möglich, wenn Leute miteinander kommunizieren. Begegnungen, wie sie Ethnopoly bietet, bilden dazu die beste Voraussetzung.
Ethnopoly hat nicht primär den Anspruch, Wissen zu vermitteln. Die Begegnungen sind bewusst kurz gehalten und bleiben oberflächlich. Es geht vielmehr darum, Vielfalt erlebbar zu machen und damit ein Bewusstsein für die verschiedensten „Lebens-Modelle“ aufzuzeigen. Indem Leute in ihren eigenen vier Wänden besucht werden, zeigen sich auch die Widersprüche, eine andere Kultur in der Schweiz zu leben. Es wird dadurch klar, dass sich das Verhalten von Menschen nicht ausschliesslich kulturell erklären lässt, sondern dass unsere eigene Identität oft ein Flickwerk von Kompromissen und Kombinationen verschiedenster Elemente ist.

Der positive, Ressourcen-orientierte Ansatz von Ethnopoly drückt sich im Motto des Spiels aus: „Ethnopoly – verbindet die Kulturen und macht Spass“.

Die Spielregeln

Das Konzept von Ethnopoly ist sehr flexibel und lässt sich sehr gut verschiedenen Realitäten anpassen. In der Vergangenheit sahen darum die Spielregeln bei jeder Durchführung ein wenig anders aus. Die folgenden drei Beispiele zeigen die bisherige Spannweite auf. Weitere Veränderungen der Regeln sind aber jederzeit möglich und auch erwünscht.

Beispiel 1: Regeln mit Integrationsanteilen
Das Projekt in Schaffhausen wurde von der Quartierarbeit Birch sowie von Personen der „Impulstage gegen Gewalt und Rassismus lanciert“.
Als Teilnehmerinnen und Teilnehmer wurden in Schaffhausennicht Institutionen, sondern direkt Jugendliche beworben. Dabei wurde einerseits mit den grossen Jugendverbänden Cevi/ Pfadi, mit Kirchgemeinden, Quartierzentren und auch Schulen zusammengearbeitet, welche bei ihren Jugendlichen Werbung für das Spiel machten.
Bei Ethnopoly in Schaffhausen nahmen insgesamt rund 150 Kinder und Jugendliche teil. Ca. die Hälfte der Teilnehmenden waren unter 12 Jahre alt. Diese wurden jeweils von einer erwachsenen Person begleitet.
Neben den eigentlichen Postenbesuchen standen zusätzlich so genannte freie Aufträge zur Verfügung: Im Startgelände konnte die Gruppen wahlweise kleine Aufgaben mit einem Bezug zum Thema Kultur und Integration lösen und damit zusätzliche Punkte sammeln.
Die Spielregeln lehnten sich stark an das bekannte Brettspiel „Monopoly“ an, dem Ethnopoly ursprünglich auch einen Teil seines Namens verdankt. Die Gruppen konnten an jedem Posten entscheiden, ob sie – analog zu den Häusern und Hotels beim Brettspielklassiker – so genannte Integrationsanteile erwerben wollten. Weitere Gruppen, die den Posten später auch noch besuchten, mussten der Gruppe eine Miete in Form der Spielwährung „Ethnos“ bezahlen. Sieger wurde die Gruppe, welche bis zum Schluss des Spiels die grösse Summe an „Ethnos“ eingenommen hatte.
 
Beispiel 2: Zusammenarbeit mit Schulen
Rund 500 Schülerinnen und Schüler versammelten sich zum Startschuss von Ethnopoly auf dem Bundesplatz. Dort wurden die Jugendlichen im Alter von 13 bis 16 Jahren in Vierergruppen eingeteilt. Sie erhielten eine Tageskarte für den öffentlichen Verkehr, einen Stadtplan sowie eine Liste mit rund 70 verschiedenen „Posten“, aus der sie ihre Besuche frei auswählen konnten.
Jeder Postenbesuch wurde mit einer „Grundprämie“ an Punkten belohnt. Durch Würfeln konnten sich die Gruppen aber noch einen Bonus dazuverdienen. Das ganze Spiel wurde von einer Telefonzentrale aus gelenkt: Nach jedem Besuch mussten die Gruppen auf eine der 12 Leitungen anrufen. Die Besuche wurden im zentralen Ethnopoly-Computerprogramm eingetragen und die Punktzahl automatisch ausgerechnet.
In den Wochen nach dem Spiel wurde jede der beteiligten Klassen von einem Ethnopoly Team besucht, welches drei Lektionen zum Thema Integration durchführte. Die Punkte, welche die einzelnen Klassenmitglieder bei Ethnopoly gesammelt hatten, wurden nach dem Spiel in reales Geld umgewandelt. Dieses stand den Klassen zur Realisierung eines eigenen kleinen Integrationsprojekts zur Verfügung, welches in den drei Lektionen mit den Klassen geplant wurde.
 
Beispiel 3: Verankerung im Quartier
Ethnopoly in Plan-les-Ouates (Agglomeration von Genf) wurde von Schülerinnen und Schülern eines 10. Schuljahrs geplant und durchgeführt. Das Spiel war dabei eine eigentliche Projektarbeit, bei der neben der eigenen Organsiation auch verschiedene weitere Aufgaben wie zum Beispiel die Dokumentation per Film oder die Gestaltung von Plakaten und Flyern ausgeführt werden mussten.
Neben der durchführenden Klasse waren in Plan-les-Ouates verschiedenste Vereine und Institutionen des Quartiers von Anfang an aktiv beteiligt. Das Projekt zeichnete sich durch eine ausserordentlich starke lokale Verankerung aus. Dies schlug sich z.B. auch im Budget nieder: die Gemeinde übernahm einen grossen Teil der Kosten.
Beim Startschuss vor dem Schulhaus versammelten sich rund 250 Schülerinnen und Schüler im Alter von 9 bis 11 Jahren, welche in Sechsergruppen eingteilt wurden und jeweils von einer erwachsenen Begleitperson unterstütz wurden. Das Spiel fand ausschliesslich im Quartier rund um die Schule statt. Dadurch konnten alle Posten zu Fuss besucht werden. Im Gegensatz zu Projekten in anderen Städten konnten die Schülerinnen und Schüler in Plan-Les-Ouates die zu besuchenden Familien nicht selber auswählen und es gab auch keine Punkte zu gewinnen.
Gekrönt wurde der Spieltag durch ein grosses Quartierfest mit verschiedensten kulturellen Darbietungen und kulinarischen Spezialitäten aus aller Welt.